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* The * Library * of * Congress *

Mein sehr verehrter
Arnold Schoenberg.

Ich liess – mit Clark – im
Gespraech eine Idee fallen, die
nur im Augenblick und in
meinem Gehirne entstanden war.
Sie haben die fallen-gelassene
Idee mit Ihrer Impulsivität
sofort aufgehoben und aus
eigener, bei Ihnen immer
thätigen Fantasie, bereichert –
es sei denn, dass Ihnen der
Bericht entstellt vorgetragen
worden. Ich hatte – bei meiner
Äusserung – weder von meinen
Meisterkursen, noch von Ihrer
Gesamtleitung gesprochen.

Mein sehr verehrter Arnold Schönberg.

Ich ließ – mit Clark – im Gespräch eine Idee fallen, die nur im Augenblick und in meinem Gehirn entstanden war. Sie haben die fallengelassene Idee mit Ihrer Impulsivität sofort aufgehoben und aus eigener, bei Ihnen immer tätigen Fantasie, bereichert – es sei denn, dass Ihnen der Bericht entstellt vorgetragen worden ist. Ich hatte – bei meiner Äußerung – weder von meinen Meisterkursen, noch von Ihrer Gesamtleitung gesprochen.

Es wäre wünschenswert (so lautete, wenn auch nicht wörtlich, meine Rede, dass einmal eine Art Musikschule auf rein künstlerischer Voraussetzung gestellt würde. Dazu wäre Schönberg in erster Linie in Betracht zu ziehen; von Petri und Kindler bürge ich, dass Sie – in ihren Fächern – ihm im rechten Sinne beistünden. Dazu wäre ferner Kapital nötig, das Unternehmen von wirtschaftlichen Spekulationen unabhängig zu machen und ein künstlerisch sich bietendes "Heim" zu gründen. (Ich beichte, dass meine Verehrung für und mein Glaube an Sie, so sicher und tief sie auch sind, nicht so weit herrschen, um mir an Ihnen einen Vorgesetzen zu schaffen: was nicht Sie betrifft — den ich als Freund und Meister begrüße – sondern meine schwer und langsam errungene Unabhängigkeit.) Dieses nur in Parenthese.

Meine Idee richtet sich also dahin, wirkliche Künstler zu einem pädagogischen Werte zu vereinen und in diesem eine Freiheit und Breite zu wahren, wie sie an Konservatorien fehlt. Es würden lauter Meisterkurse werden in zwanglosem Verkehr mit Schülern, innerhalb geschmackvoller Räume. Eine Gesamtleitung schien mir unwichtig, die Begründer würden sich beraten.

Noch einmal: Dazu gehörte viel Geld; dann aber dürfte die Sache mit einem Schlage in erster Reihe stehen.

Dass wir uns selten sehen und Sie mir die Schuld dafür anrechnen ist (beides) bedauerlich.

Ich glaube nicht, dass ich Jemanden so viel aufrichtiges und tätiges Interesse widmete, als Ihnen: umgekehrt habe ich nichts empfangen.

Ich bin 8 Monate des Jahres unterwegs und, wie Sie wissen, außerordentlich tätig. Ich bitte Sie, es wenigstens quantitativ zu betrachten.

Mit herzlichen Grüßen Ihr ergebener

Ferruccio Busoni

den 27 Juli, 1912.
                                                                
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wörtlich, meine Rede, […] höchstens 3 Zeichen: durchgestrichen.
dass einmal eine Art Musik-
-schule auf rein künstlerischer
Voraussetzung gestellt
würde. Dazu waere Schoenberg
in erster Linie in Betracht zu
ziehen; von Petri und Kindler
bürge ich, dass Sie – in ihren
Fächern – ihm im rechten
Sinne beistünden. Dazu waere fer-
-ner Kapital nötig, das Unternehmen
von wirtschaftlichen Spekulationen
unabhängig zu machen und
ein künstlerisch sich bietendes
"Heim" zu gründen. (Ich beichte,
dass meine Verehrung für Sie
und mein Glaube an Sie, so

                                                                
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sicher und tief sie auch sind,
nicht so weit herrschen, um
mir an Ihnen einen Vor-
gesetzen zu schaffen: was nicht
Sie betrifft — den ich als
Freund und Meister begrüsse –
sondern meine schwer und
langsam errungene Unabhängigkeit.)
Dieses nur in Parenthese.

Meine Idee richtet sich also
dahin, wirkliche Künstler zu
einem paedagogischen Werthe
zu vereinen und in diesem eine
Freiheit und Breite zu wahren,
wie sie an Konservatorien fehlt.
Es würden allelauter Meisterkurse
werden in zwanglosem
Verkehr mit Schülern, innerhalb
geschmackvoller Räume. Eine
Gesamtleitung schien mir
unwichtig, die Begründer würden
sich berathen.

                                                                
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Nocheinmal:
Dazu gehörte viel Geld; dann
aber dürfte die Sache mit einem
Schlage in erster Reihe stehen.

Dass wir uns selten sehen u.
Sie mir die Schuld dafür anrech-
-nen ist (beides) bedauerlich.

Ich glaube nicht, dass ich
Jemanden so viel aufrichtiges
u. thätiges Interesse widmete,
als Ihnen: umgekehrt habe
ich nichts empfangen.

Ich bin auch 8 Monate des
Jahres unterwegs und, wie
Sie wissen, außerordentlich
thätig. Ich bitte Sie, es wenigstens
quantitativ zu betrachten.

Mit herzlichen Grüssen
Ihr ergebener

Ferruccio Busoni

den 27 Juli, 1912.
                                                                
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