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Lieber und hoch-geschätzer Arnold Schönberg,

Ihr Brief war mir eine der
erfreulichsten Überraschungen, und
ich rechne es Ihnen schön an, dass
Sie mich ausersehen haben, um
Ihrem Herzen Luft zu machen.

Bei dem Züricher III. Symphonie=
Konzert stand Ihr "Pelleas und
Melisande
" auf dem Programm,
und schon freuten sich die
Rechtdenkenden auf diese
Klänge, als das Werk – infolge
des nicht eingetroffenen Materials –
aus der Liste verschwand.

Gestern noch – mit einem
intelligenten Herrn Bülau
besangen wir Ihr Harmoniebuch.

Sie ersehen daraus, daß
man noch für das Gute
Manches übrig behält. Darum

Lieber und hoch-geschätzer Arnold Schönberg,

Ihr Brief war mir eine der erfreulichsten Überraschungen, und ich rechne es Ihnen schön an, dass Sie mich ausersehen haben, um Ihrem Herzen Luft zu machen.

Bei dem Züricher III. Symphonie= Konzert stand Ihr "Pelleas und Melisande" auf dem Programm, und schon freuten sich die Rechtdenkenden auf diese Klänge, als das Werk – infolge des nicht eingetroffenen Materials – aus der Liste verschwand.

Gestern noch – mit einem intelligenten Herrn Bülau – besangen wir Ihr Harmoniebuch.

Sie ersehen daraus, dass man noch für das Gute Manches übrig behält. Darum hätte ich gewünscht, von Ihrem gegenwärtigen Schaffen Umständlicheres berichtet zu erfahren. Die gewaltsame 10-monatige Unterbrechung Schönberg war im November 1915 als tauglich gemustert worden. Von Mitte Dezember 1915 bis Juni 1916 war er beim Militär. Im September 1917 wurde er erneut eingezogen. muss schwer auf dasselbe gelastet haben, aber um so ungestümer müsste es wieder hervorbrechen.

Ich schrieb ein kleines Feuilleton Busonis Aufsatz "Der Kriegsfall Boccioni", datiert "Zürich, August 1916". über den Soldaten= Tod eines hervorragenden Malers; keine Friedensschrift, aber eine, worin die Kunst – in einer knappen Andeutung – gegen den Krieg abgewogen wird. Sie hat ein leises Echo erweckt, wie schon daraus zu schließen ist, dass Etwas davon auch zu Ihren Ohren drang.

Was wissen Sie von Frau Mahler?

Und welcher ist Ihr Verkehr?

Nun muss man zuversichtlich hoffen und auf den Frieden hin in dem Sinne arbeiten, dass er uns nicht überraschet, bevor wir in dem, das uns gegeben ist, Etwas vollbracht haben. Das ist unser schönster Sieg, wenn wir als Ergebnis unser Schaffen gegen des Anderen Zerstörung stellen können! Das Bleibende gegen das Zerfallende.

Jeder tue, was er am besten zu tun vermag; sich selbst gründlich zu schöpfen, bleibe die wahrste Lebenserfüllung.

Ich wünsche Ihnen das Freundlichste. Auf Wiedersehen u. =Lesen.

Ihr herzlichst ergebener

F. Busoni

24. Nov. 1916.
                                                                
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berichtet zu erfahren. Die gewalt-
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muss schwer auf dasselbe gelastet
haben, aber um so ungestümer
müßte es wieder hervorbrechen.

Ich schrieb ein kleines
Feuilleton Busonis Aufsatz "Der Kriegsfall Boccioni", datiert "Zürich, August 1916". über den Soldaten=
Tod eines hervorragenden Malers;
keine Friedensschrift, aber eine,
worin die Kunst – in einer
knappen Andeutung – gegen den
Krieg abgewogen wird. Sie hat
ein kleinesleises Echo erweckt, wie
schon daraus zu schließen ist,
daß Etwas davon auch zu Ihren
Ohren drang.

Was wissen Sie von Frau Mahler?

Und welcher ist Ihr Verkehr?

                                                                
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Nun muss man zuversichtlich
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in dem Sinne arbeiten, daß er
uns nicht überraschtet, bevor wir
in dem, wdas uns gegeben ist,
Etwas vollbracht haben. Das ist
unser schönster Sieg, wenn wir
als Ergebnis unser Schaffen
gegen des Anderen Zerstörung
stellen können! Das Bleibende
gegen das Zerfallende.

Jeder thue, was er am besten zu thun
vermag; sich selbst
gründlich zu schöpfen bleibe die
bestewahrste Lebenserfüllung.

Ich wünsche Ihnen
das Freundlichste.
Auf Wiedersehen u =Lesen.

Ihr herzlichst ergebener

F. Busoni

24 Nov. 1916.
                                                                
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