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Verehrter Freund.

In aller Eile – zwischen Reise
u Reise Um welche Reisen es sich handelt, konnte nicht eindeutig ermittelt werden. Nachweisen lassen sich für November 1899 ein Aufenthalt in Wien (12. November, vgl. Brief Busonis an Vianna da Motta, Busoni / Vianna da Motta / Wassermann Beirão 2004, S. 21) sowie eine am 20. November begonnene Konzertreise nach England (vgl. Busonis Briefe von November 1899 an seine Frau, Busoni / Weindel 2015, S. 180 f.). – sei Ihnen für die Übersen-
dung der famosen, originellen,
stimmungsvollen, sezessionistischen
Syrischen (?) Taenze gedankt,
welche mir wirklichen Genuss
bereiten.
Offenkundig handelt es sich um Busonis Antwort auf den Brief Schenkers vom 6. November 1899, wie auch aus der Wortwahl im Folgenden hervorgeht. Da Schenker über das durch den Verlag gewählte Titelbild schreibt, dürfte Busoni bereits eines der Druckexemplare der Syrischen Tänze erhalten haben, die Schenker nach Drucklegung an mehrere Pianisten verschickt hatte (vgl. Eintrag Ian Bents über die Syrischen Tänze auf Schenker Documents Online).

Unrecht ist es von Ihnen –
verzeihen Sie eine wohlgemeinte
Hofmeisterei – vieles als Praeludium

Verehrter Freund.

In aller Eile – zwischen Reise und Reise Um welche Reisen es sich handelt, konnte nicht eindeutig ermittelt werden. Nachweisen lassen sich für November 1899 ein Aufenthalt in Wien (12. November, vgl. Brief Busonis an Vianna da Motta, Busoni / Vianna da Motta / Wassermann Beirão 2004, S. 21) sowie eine am 20. November begonnene Konzertreise nach England (vgl. Busonis Briefe von November 1899 an seine Frau, Busoni / Weindel 2015, S. 180 f.). – sei Ihnen für die Übersendung der famosen, originellen, stimmungsvollen, sezessionistischen Syrischen (?) Tänze gedankt, welche mir wirklichen Genuss bereiten. Offenkundig handelt es sich um Busonis Antwort auf den Brief Schenkers vom 6. November 1899, wie auch aus der Wortwahl im Folgenden hervorgeht. Da Schenker über das durch den Verlag gewählte Titelbild schreibt, dürfte Busoni bereits eines der Druckexemplare der Syrischen Tänze erhalten haben, die Schenker nach Drucklegung an mehrere Pianisten verschickt hatte (vgl. Eintrag Ian Bents über die Syrischen Tänze auf Schenker Documents Online).

Unrecht ist es von Ihnen – verzeihen Sie eine wohlgemeinte Hofmeisterei – vieles als Präludium zu Späterem aufzufassen, da alles, was in der Gegenwart geschieht, Hauptsache ist und da nur aus dieser Auffassung die rechte Benutzung der Gegenwart hervorgeht. So lehren meine Erfahrungen. Im Anfange wartet man auf besondere Ereignisse in der Vorstellung, dass diese sich durch besondere Kennzeichen ankündigen werden. Später sieht man nur das sich Ereignete als Ereignis an.

Mehr davon schriftlich oder mündlich in Berlin!!

Herzlichen Gruß.

Ihr F. Busoni

                                                                
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2Diplomatische Umschrift
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zu Spaeterem aufzufassen, da
Alles was in der Gegenwart geschieht
Hauptsache ist, und da nur vonaus
der Verwerthungdieser Auffassung,
die rechte Benutzung der Gegenwart
hervorgeht. So lehren meine Erfahrungen.
Im Anfange wartet man auf
besondere Ereignisse in der Vorstellung
dass siediese sich durch besondere Kennzeichen
ankündigen werden. Spaeter sieht [man] nur das
sich Ereignete als Ereigniss an.

Mehr davon schriftlich oder mündlich.
in Berlin!! Herzlichen Gruss. Ihr F Busoni

                                                                
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